Hurra, wir hatten endlich Urlaub. Was nun?

Für unsere Katzen fand sich kein Cat-Sitter, also hieß es: zu Hause bleiben und das Beste daraus machen. Dann faulenzten wir erst einmal etwas; dafür hat man ja Urlaub. Anschließend wurde die Wohnung auf Vordermann gebracht, aber das ist für die schönste Zeit im Jahr nicht befriedigend. Ausflüge machen? In diesem Jahr (2000) war Petrus sehr ungnädig gestimmt und ließ es regnen was das Zeug hielt. Halt, ich hatte es. Alle reden von Kreativität, also werde ich es einmal versuchen. Aber mit was?

Ich ging ins Bastelgeschäft und schaute, welche Möglichkeiten es so gab. Das Angebot war riesig und ich entschied mich für eine Bastelpackung, auf der mich ein niedliches Bärchen anlachte. Ich deckte mich noch mit dem notwendigen Füllmaterial ein und dachte, das kann ja nicht so schwer sein. Daheim stürzte ich mich mit Elan ans Werk. Doch dann war dank der nicht gerade ausführlichen Arbeitsanleitung alles etwas mühselig. Außerdem gefiel mir der Plüsch nicht sonderlich. So hatte ich mir einen selbstgemachten Teddy nicht vorgestellt. Ziemlich gefrustet wanderte der ganze Kram in eine Ecke und ich ärgerte mich über das ausgegebene Geld.

Jedoch eines hatte sich in meinen Kopf festgesetzt: ich wollte einen eigenen Teddy machen, und zwar einen ordentlichen. Nachdem meine Sinne für Teddybär geschärft waren, entdeckte ich in einem Zeitschriftenladen, dass es für Liebhaber dieser Tiergattung spezielle Lektüre gab. Ich konnte mich von diesen Heften gar nicht mehr trennen und fand so die Adresse von Sonja´s Teddywerkstatt. Ein Anruf genügte und ich wusste, das ist mein Kurs.

An einem Samstag nachmittag ging es dann los und ich war sehr gespannt, was mich erwartete. Zur Verstärkung nahm ich meinen Mann mit, der meinem Vorhaben etwas skeptisch gegenüber stand. Wir wurden von Frau Kühner und Ihren Katzen mit Kaffee und Kuchen nett empfangen und fühlten uns in dieser Atmosphäre sehr wohl. Mein Mann verabschiedete sich und wir legten mit Materialkunde los. Für mich war das alles Neuland und ich war sehr überrascht, welche Vielfalt an Stoffen, und Zubehör es gibt. Bis dahin hatte ich mich immer etwas darüber mokiert, welche Preise für einen Teddy verlangt werden. Jetzt wurde mir klar, dass allein das Material schon einiges wert ist. An diesem Tag suchte ich mir das Material für “meinen Kursbären Hannes” aus und bekam das entsprechende Schnittmuster mit, ebenso genaue Instruktionen, wie ich die Sache anzugehen hatte. Ich will jetzt nicht Schritt für Schritt erklären, wie ich den Teddy hergestellt habe, aber ich hatte mir die Angelegenheit doch einfacher vorgestellt. Frau Kühner legt, wie ich auch, sehr großen Wert darauf, dass ein Teddy sorgfältig genäht, montiert und gestopft ist. Was unter Ihren kritischen Augen keinen Bestand hat, wird auch gegebenenfalls wieder aufgetrennt bzw. noch einmal gemacht. Und das ist auch gut so. Übrigens, der Kurs ist erst zu Ende, wenn ein handwerklich perfekter Bär zum Leben erweckt worden ist. Ich hatte zwar zwischendurch einmal so meine Bedenken, dass das von mir so heiß ersehnte Bärchen jemals fertig werden würde, denn ich bin nicht die Schnellste beim Handarbeiten. Aber nach acht Abenden konnte ich den Geburtstag meines Teddys feiern. Ich war sehr stolz auf mein Werk, aber auch etwas traurig, dass der Kurs jetzt zu Ende war.

Im nächsten halben Jahr wuchs meine Bärengesellschaft um weitere sechs Petze, wobei sich die Größe immer ein wenig verringerte. Mein nächstes Ziel sind wohl Miniaturen. Aber eines weiß ich: ohne den Kurs in Sonja´s Teddywerkstatt hätte ich die Flinte ins Korn geworfen und viel Spaß und einen enormes Erfolgserlebnis versäumt.

Eine Kursteilnehmerin aus Frankfurt Januar 2001

 

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